Vom Manager zum Coach

08. April 2008 – 05:54:00

In unseren Breitengraden wird der Coach oft als Light-Version des Psychiaters missverstanden. Marty Brountstein sieht das in ihrem Buch „Coaching for Dummies" ganz anders: Ein Coach ist nichts anderes als ein Trainer. Als Vorgeetzter bringt er sein Team dahin, seine Arbeit so produktiv und eigenverantwortlich wie möglich zu erledigen. Dieses Führungsverständnis ist ein anderes als das des Managers: Letzterer will Aufgaben anpacken und erledigt wissen - on time, on quality, on budget. Der Coach hingegeben sieht Probleme von Mitarbeitern als gleichberechtigte Herausforderungen zu den übrigen Aufgaben. Er begreift das Unternehmen als soziales System in dem es gilt Menschen, Aufgaben und Stimmungen so zu verbinden, dass daraus Ergebnisse entstehen.

Auch Manager kümmern sich um Mitarbeiterprobleme, sehen sie aber eher als zusätzliche und tendenziell unangenehmen Bürde des Jobs. Der Coach hingegen erkennt, dass beides zusammenheängt - Aufgabe und Mitarbeiter. Manager haben häufig Untergebene, die gehorsam ihre Aufgaben abarbeiten. Engagement und Initiative sind allerdings Mangelware. Wer dagegen als Coach den Dialog mit seinen Mitarbeitern aufnimmt, hat andere - bessere - Optionen. Die Methoden sind simpel: Erstens: Mitarbeiter als Menschen respektieren, ihre Arbeit einschätzen und regelmässig Feedback geben, das sich konkret auf die erbrachten Leistungen bezieht. Zweitens: Die Mitarbeiter darin unterstützen, eigenverantwortlicher zu arbeiten. Das bedeutet, dass Chefs nicht rund um die Uhr für ihre Mitarbeiter erreichbar sein müssen. Es reicht, sich bei Bedarf zusammenzusetzen, Aufgaben oder Probleme (oder auch nur den Stand der Dinge) zu erörtern und sinnvolles Feedback zu geben. Das geht nicht zwischen Tür und Angel, sondern nur mit Terminen. Diese zu planen, festzulegen und einzuhalten ist die erste grosse Anforderung an einen Coach. Bei diesen Terminen handelt es sich übrigens um echte Gespräche - nicht um E-Mails oder Telefonate.

Dem Coaching Gedanken liegt ein Menschenbild zu Grunde, das von der Bereitschaft und Fähigkeit der Mitarbeiter ausgeht, sich weiterzuentwickeln und eigenverantwortlich zu arbeiten. Selbstverantwortung und intrinsische Motivation stehen im Zentrum. In einer Zeit in der nicht mehr reine Arbeitszeit sondern Ideen, Fähigkeiten und Resultate bezahlt werden wird diese Art von Führung immer wichtiger. In einer Wissensgesellschaft in der wir leben, wird der misstrauisch kontrollierende Manager-Typ über kurz oder lang nicht mehr gefragt sein.

 

Von Tom Buser | Kategorie: Unternehmensentwicklung
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