Freedom Writers

22. August 2007 – 21:53:00

Vor einigen Wochen hatte ich das Vergnügen mir den zwar sehr amerikanischen aber dennoch recht unterhaltsamen Film „Freedom Writers" in einer Linienmaschine der Thai Airways anzusehen. Der Plot ist einfach:

Es ist die authentische Geschichte einer jungen, idealistischen Lehrerin ('Miss G') und ihrer „nicht erziehbaren Risiko-Schüler": Der dreiundzwanzigjährigen Lehrerin Erin Gruwell gelingt es, ihre Schüler aus einem hoffnungslosen Kreislauf von Gewalt, Drogen und Gangkriegen herauszuholen und - zum Tagebuchschreiben zu bewegen. So beginnt eine Entwicklung, die den vom Erziehungssystem längst aufgegebenen Jungen und Mädchen eine zweite Chance gibt - und sie rettet. Alle, die „nicht erziehbaren", „unterdurchschnittlichen" „Deliquenten", schaffen ihren Schulabschluss und beginnen ein Studium.

Der Film lehrt uns einiges über Führung und das Verhalten von Menschen in Gruppen und Teams. `Miss G` hat die hoffnungslos zerrüttete Klasse über eine idealistische und motivierende Vision geeint und das Potential jedes einzelnen gezielt geweckt und gefördert. Doch wie schafft man es, Menschen die sich bereits aufgegeben haben, zu motivieren? Ein Zustand, der sich in unserem beruflichen Alltag oft nicht so krass aber dennoch unterschwellig zeigt. All die Leute, die tagaus tagein nur Probleme sehen und an deren Lösung nicht weiterkommen oder gar verzweifeln. Mitarbeitende, die ständig darüber jammern wie schwer ihr beruflicher Alltag ist. Wer kennt sie nicht?

Die Lehrerin in unserem Beispiel hat anfangs mit viel Enthusiasmus die Klasse versucht positiv zu stimmen, erreichte aber genau das Gegenteil. Ablehnung und Zynismus schlugen ihr entgegen. Frustriert aber dennoch entschlossen die Schüler zu besseren Leistungen zu führen, verfolgte sie dann eine Doppelstrategie die sowohl den Einzelnen wie auch die Gruppe miteinbezog. In Einzelgesprächen und über das Tagebuchschreiben gab sie jedem ein Ventil für seine Probleme und seine aufgestaute Wut. Gleichzeitig förderte sie über die Erfahrung des Schreibens das Selbstvertrauen jedes Schülers. Die Gruppe versuchte sie auf ein gemeinsames Ziel einzuschwören. Sie führte die Unterschiede insbesondere der verschiedenen sich anfeindenden Rassen auf einen gemeinsamen Nenner aus Respekt und Wertschätzung für den Einzelnen in der Gruppe.

Sie hat es eindrücklich geschafft jeden Einzelnen und die Gruppe mit ihrer idealistischen Energie und Entschlossenheit zu elektrisieren und zu bewegen. In kleinen Schritten und über konkrete Ergebnisse hat sie die individuelle Eigenmotivation jedes Schülers wecken können. Nachdem sich dann die ersten Erfolge einstellten, entwickelte sich eine Eigendynamik, die die Gruppe wie von selbst weiter brachte.

Wichtigste Erkenntnis aus meiner Sicht: Die erwähnte idealistische Energie überträgt sich nicht auf die Leute, wenn man es nicht schafft, die Menschen dort abzuholen wo sie gerade sind. Tönt nach Binsenweisheit ist aber extrem schwer und harte Knochenarbeit wie erwähnter Film eindrücklich zeigt. Die theoretische Organisationslehre definiert Management über die Tätigkeit Menschen, Stimmungen und Aufgaben so zusammenzubringen damit gute Ergebnisse erzielt werden können. Und eben diese Stimmungen sind es, die besonders schwer zu handhaben sind. Deshalb gilt auch hier: „Tue zuerst das Notwendige, dann das Mögliche und plötzlich gelingt das Unmögliche."

 

Von Tom Buser | Kategorie: Unternehmensentwicklung
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