Das Unternehmen 2.0

27. September 2010 – 12:29:00

Social Media ist in aller Munde und mit ihm kommt das Thema Social CRM auf die Agenda vieler Unternehmen.  Kunden beeinflussen andere Kunden hinsichtlich deren Kaufentscheidungen. Kunden helfen anderen Kunden im Sinne eines Gratis Supports und Kunden entwickeln in ihrer Community neue Ideen für die Verbesserung von Produkten und Services. In der Web Community findet das bereits alles statt. Neu daran ist, dass Unternehmen versuchen diese Prozesse bewusst zu steuern und an sich zu binden. 

Mit dieser Entwicklung findet eine Diskussion über die Zukunft des Unternehmens als Organisation statt. Denn die dynamischen und agilen Kundennetzwerke, die sich rasch vernetzen und gegenseitig beeinflussen treffen noch allzu oft auf starre in Organigramme gegossene Unternehmensstrukturen mit durchgezogenen Abteilungsgrenzen und einer sauber definierten Schnittstelle nach aussen hin zu den Kunden. Das Beispiel der Facebook Seite der Swiss, die während dem Vulkanausbruch im Frühjahr und den damit verbundenen Störungen des Luftverkehrs die Hotline aushebelte, wo sich Kunden mit Mitarbeitenden zu einer Art Help Community verbunden haben, zeigt, dass sich die Grenzen zwischen Mitarbeiter und Kunden Community zu verwischen beginnen. 

Daneben ist wirtschaften dramatisch günstiger geworden. Roland Coase hat in seinem Buch "The Nature of Firm" (1937) darauf hingewiesen, dass Firmen nach Grösse streben müssen, weil die Transaktionskosten so hoch sind, dass diese nur über die Masse und den damit verbundenen Skaleneffekten rentabilisiert werden können. Dafür braucht es grosse fabrikähnliche Organisationen. Sechzig Jahre später in der sich digitalisierenden Welt hat sich dieses Bild von Grund auf gewandelt. Im 'Mitmachweb' kann jeder Unternehmer sein. Und mit Hilfe von Webtechnologie können sich kleine Unternehmen rasch vernetzen und eine gesamte komplizierte Wertschöpfungskette lückenlos abbilden und so mit grossen Unternehmen konkurrieren. Die Wirtschaft demokratisiert sich und wird offen für jedermann.

Wir leben in einer spannenden und bewegten Zeit in der sich aus betriebswirtschaftlicher Sicht viele Fragen stellen: Was sind die Auswirkungen der digitalen Welt auf das System 'Unternehmen'? Wie müssen wir die Unternehmen zukünftig organisieren? Wie motivieren wir Kunden zur 'Mitarbeit' im Social CRM? Kurz: Wie sieht das Unternehmen 2.0. aus? Eine kurze aber überzeugende Antwort dazu von Rolando Baron (Brand Experte aus Zürich):

"Wie eine Rockband. Mit einem klaren Leitmotiv. Mit einem eigenen Groove. Mit einer Kommunikation unplugged. Mit einem CEO als Frontman. Und: Mit echten Fans statt treulosen Kunden." 

 

 

Von Tom Buser | Kategorie: Unternehmensentwicklung
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Kommentare

Markenrocker...;-)

Rolando Baron - 27. September 2010, 13:26
Mit grossen Interesse habe ich deinen Artikel gelesen (und erst zum Schluss bemerkt, dass hier ein Namen vorkommt, den ich irgendwie kenne... ;-)). Was ich so spannend finde und worüber ich mich vor kurzem auch mit dem Leiter des Instituts für Markensoziologie unterhalten habe (und mich mal gerne mit Dir unterhalten würde):

Dass Unternehmen in ihrem Denken selbstreferentielle Gebilde sind, deren oberstes Ziel der Erhalt von Strukturen ist. Doch dieses strukturkonservative Denken passt nur schlecht zu dem kaum vorbestimmbaren Verhalten der kritischen Kunden. Und wenn Unternehmen jetzt auch noch mit dem Mitwachweb konfrontiert sind - mit dem schnellen, quirligen, unkontrollierbaren Web2.0 - dann kann sich das für Unternehmen sturkturbedrohend anfühlen.

Doch wäre das nicht eine Lösung: Dass man Strukturen anders denkt? Dass Unternehmen nicht mehr singuläre Planten sind, sondern dass Firmen den Kunden einfach mitdenken? Nicht als gefährliche Super-Nova, die von aussen auf das um sich selbst kreisende Unternehmen einstürzt. Sondern als grösseres Universum - mit dem Unternehmen als Fixstern, den Kunden als Trabanten, was zusammengenommen ein Sonnensystem ergibt?

Doch warum sollten Kunden um Unternehmen kreisen? Das ist den entscheidende Frage. Doch auch hierauf gibt es Antworten (die sich durchaus operationalisieren lassen!), die viel mit Markenführung zu tun haben - und damit, dass Unternehmen heute Themen besetzen müssen.

Aber jetzt genug der langen Sätze: Ich habe Hunger und gehe jetzt was essen... (tja, so profan kann das Leben manchmal sein...)

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Spiegelbilder - Danke für den Denkanstoß

Michael Meister - 28. September 2010, 11:15
Ich glaube, dass es beim Aufeinandertreffen von Unternehmen mit Netzwerken auf beiden Seiten zu Veränderungen kommt. Nicht nur "strukturbedrohende" beim Unternehmen, sondern auch strukturbildende beim Netzwerk. Unter der Voraussetzung eines wertschätzenden Aufeinanderzugehens, wie beispielsweise im Falle von LEGO geschehen, stehen die Chancen gut, dass sich Kooperationen herausbilden. In diesen finden sich dann Elemente aus beiden Welten.

Es lohnt jedenfalls das Zusammentreffen zu beobachten, denn beide halten sich gegenseitig den Spiegel vor. Dies gestattet die eigenen Muster und Regeln zu reflektieren.

Gute Diskussion. Gerne mehr:-)

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Creative Coach

Rolando Baron - 30. September 2010, 21:24
Das finde ich einen spannenden Gedanken: Während bei Unternehmen Strukturen aufbrechen - Social Media sei Dank - entstehen anderorts neue Strukturen - und zwar in den Communities, die sich um die Unternehmen bilden. Damit wäre die Stabilität des Systems ja wieder geben.

Allerdings: Wenn ich beobachte, wie manche Firmen SM (miss-)brauchen, um wieder die althergebrachte Top-Down-Kommunikation zu pflegen und die Menschen mit (Online-)-Werbebullshit zu zuballern... dann bin ich mir nicht sicher, ob unser Wunschmodell wirklich den heutigen Realitäten entspricht (siehe z.B. http://www.facebook.com/FertigKiosk).

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en guete

Tom - 27. September 2010, 13:48
Danke für deine Gedanken, Rolando. Das mit dem Universum ist ein schönes Bild für den Community Gedanken. Ich bin auch der Meinung, dass wir Strukturen neu denken müssen. Unternehmensorganisationen folgen heute dem Prinzip der Spezialisierung und Arbeitsteilung. Daraus entstehen Abteilungen, die aneinandergereiht die gesamte Leistung des Unternehmens erstellen. Ich denke, der Trend geht in Richtung Unternehmen im Unternehmen das heisst, teilautonome Arbeitsgruppen mit der Verantwortung für ein abgeschlossenes Arbeitsergebnis und ausgestattet mit umfassenden Kompetenzen machen 'ihr Ding' innerhalb des Unternehmens und vernetzen sich dafür intern wie extern opitmal. In diese Teams können dann auch 'externe' wie Kunden einbezogen werden. Der Kit, der das Gebilde zusammenhält ist die gemeinsame Mission/Vision und die Kultur...und natürlich der Brand ;-)
En guete.
Tom

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en guete

Tom - 27. September 2010, 13:48
Danke für deine Gedanken, Rolando. Das mit dem Universum ist ein schönes Bild für den Community Gedanken. Ich bin auch der Meinung, dass wir Strukturen neu denken müssen. Unternehmensorganisationen folgen heute dem Prinzip der Spezialisierung und Arbeitsteilung. Daraus entstehen Abteilungen, die aneinandergereiht die gesamte Leistung des Unternehmens erstellen. Ich denke, der Trend geht in Richtung Unternehmen im Unternehmen das heisst, teilautonome Arbeitsgruppen mit der Verantwortung für ein abgeschlossenes Arbeitsergebnis und ausgestattet mit umfassenden Kompetenzen machen 'ihr Ding' innerhalb des Unternehmens und vernetzen sich dafür intern wie extern opitmal. In diese Teams können dann auch 'externe' wie Kunden einbezogen werden. Der Kit, der das Gebilde zusammenhält ist die gemeinsame Mission/Vision und die Kultur...und natürlich der Brand ;-)
En guete.
Tom

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Fraktale Unternehmen

Rolando Baron - 30. September 2010, 21:50
Bin ja kein Ökonom: Aber was du beschreibst - sind das fraktale Unternehmen? Und war nicht Benetton eine der ersten Firmen, die so organisiert waren? Wenn das so wäre, dann würde ich deine und meine These wie folgt weiterspinnen:

Benetton hat exemplarisch gezeigt, um was es heute geht. Denn heute steht nicht mehr der Gebrauchswert von Produkten an erster Stelle, sondern das kulturelle Versprechen, das eine Marke macht. Damit wären Unternehmen moderne Sinnstifter und müssten sich als Kultur-Institutionen begreifen... oder eben als Rockband. Basierend auf diesem Gedanken ist American Apparel übrigens zum grössten amerikanischen Modehersteller geworden... (gut, die sind eher ein Punkband und haben zur Zeit massive Probleme... aber das ist ein anders Thema).


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Fraktale Unternehmen

Rolando Baron - 30. September 2010, 21:49
Bin ja kein Ökonom: Aber was du beschreibst - sind das fraktale Unternehmen? Und war nicht Benetton eine der ersten Firmen, die so organisiert waren? Wenn das so wäre, dann würde ich deine und meine These wie folgt weiterspinnen:

Benetton hat exemplarisch gezeigt, um was es heute geht. Denn heute steht nicht mehr der Gebrauchswert von Produkten an erster Stelle, sondern das kulturelle Versprechen, das eine Marke macht. Damit wären Unternehmen moderne Sinnstifter und müssten sich als Kultur-Institutionen begreifen... oder eben als Rockband. Basierend auf diesem Gedanken ist American Apparel übrigens zum grössten amerikanischen Modehersteller geworden... (gut, die sind eher ein Punkband und haben zur Zeit massive Probleme... aber das ist ein anders Thema).


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Re: Unternehmen 2.0 / Fraktale Unternehmen

Tom - 04. Oktober 2010, 13:21
hier meine Antwort:
http://tombuser.ch/preview/Fraktale_Unternehmen

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Tom Buser ist Managing Partner bei YukonDaylight und Mitbegründer des Swiss CRM Forum. Mehr Infos, Folien und Fachartikel  
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